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Deutscher Fachwerkpreis

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Deutscher Fachwerkpreis

Alle fünf Jahre wird der Deutsche Fachwerkpreis zur besonderen Heraushebung von bedeutenden und besonders gut gelösten Fachwerksanierungen verliehen. Bewerben können sich die Eigentümer von Fachwerkbauten in den Mitgliedsstädten der ADF.

Die aktuelle Preisverleihung fand statt am 23. April während der Jahreshauptversammlung der ADF in Halberstadt. Hier sind die Preisträger:


Vierseithof in Ebersbach-Neugersdorf

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 1. Preis
1. Preis.

Karin Käding (3. v. l.) sowie Simone und Friedbert Scholz (4. und 5. v. l.) erhielten ''für den Mut und den großen Aufwand einer, über viele Jahre dauernden außerordentlich, sorgfältigen Sanierung'' den mit 3000 Euro dotierten 1. Preis. Laudator Prof. Manfred Gerner würdigte die Preisträger für ihre erfolgreiche Sanierung des großen Vierseithofes in Ebersbach-Neugersdorf, Oberer Kirchweg 26. Durch die Umnutzung als Wohnhaus, Kaffeemuseum, Kaffeerösterei, Kaffeestube und Keramikwerkstatt hätten die Bauherren einen außerordentlichen Beitrag für das Fachwerk und das Umgebindeland geleistet, so Gerner. Der Vierseithof zeige zahlreiche regionale, insbesondere zum Lausitzer Umgebinde gehörende Details, die mit der Sanierung erhalten und gut gepflegt in die neuen Nutzungen eingebunden würden. Das geschlossene vierseitige Ensemble mit zwei Umgebindehäusern und zwei Nebengebäuden aus den Jahren 1770 bis 1831 sei ein bedeutendes Beispiel der Umgebindekultur, so Gerner. Von knapp 40.000 Umgebindehäusern seien in dieser Region nach 1945 die Hälfte bereits vernichtet, ''die Kulturlandschaft und ihr bedeutendes Alleinstellungsmerkmal sind in Gefahr'', mahnte der Fachwerkspezialist. Umso lobenswerter, dass die Eigentümer mit ihren Handwerkern, allen voran der Zimmerei Leuner aus Cunewalde, die außerordentliche Sanierung eines bedeutenden Kulturdenkmals durchgeführt und dieses Kulturdenkmal wieder mit Leben gefüllt hätten. ''Die gelungene Umnutzung des Vierseithofes belegt der zunehmende Besuch von Gäste und Einheimischen',' freut sich der Beigeordnete der Stadt Ebersbach-Neugersdorf, Bernd Noack (2. v. l.). Gemeinsam mit dem Bauamtsleiter Matthias Lachmann (1. v. l.) nahmen sie an der Preisverleihung teil. (dw)


Fachwerkwohnhaus in Bleicherode

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 2. Preis
2. Preis.

Stefan Wichmann (2. v. l.) und Andreas Haustein (3. v. l.) wurde ''für den Mut, ein weit heruntergekommenes Denkmal erstklassig zu sanieren und neuerlich mit Leben zu füllen'', der 2. Preis des Deutschen Fachwerkpreises 2015, dotiert mit 2000 Euro, zuerkannt. Prof. Gerner nannte das Fachwerkwohnhaus in der Braustraße 25 einen Leuchtturm, der den Bleicheröder Bürgern die Hoffnung auf die Erhaltung ihrer historischen Innenstadt wiedergibt. Ursprünglich sei es wohl ein Brauhaus gewesen, die ältesten Teile stammen aus dem Jahr 1671. Seit etwa 1837 waren dort Wohnung und Werkstatt der berühmten Orgelbauerfamilie Knauf untergebracht, so der Laudator. Bleicherode habe nach der Wiedervereinigung Deutschlands große Strukturveränderungen durchleiden müssen. Diese Veränderungen bildeten sich heute mit Sanierungsrückstand und Leerstand im Stadtbild ab, sagte Gerner. Auch das Haus in der Braustraße habe großen Sanierungsbedarf gehabt. Nach 1945 diente es als russische Kommandantur, danach vier Familien als Wohnung, bis es 2003 schließlich unbewohnbar wurde. Heute habe das Haus sechs Wohneinheiten mit insgesamt 478 Quadratmetern Wohnfläche. In Jahr 2006 als Einzeldenkmal ins Thüringische Denkmalbuch eingetragen, wurde das Fachwerkhaus seit 2010 von den Familien Wichmann und Haustein saniert und konnte gerettet werden. ''Viele Holzdetails wurden dabei erhalten, andere sorgsam rekonstruiert'', so Gerner.
Bürgermeister Frank Rostek (1. v. l.) beglückwünschte die Preisträger vor Ort und hob diese besondere Initiative der preisgekrönten Akteure heraus. Ihre Aktivitäten seien Vorbild für die weitere Entwicklung in der Innenstadt, die von Fachwerkbauten geprägt ist. Die Jury habe durch diese Prämierung auch die Stadt Bleicherode prämiert und deren Bekanntheitsgrad gesteigert.(dw)


Fachwerk in Hann. Münden

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 3. Preis
3. Preis.

Das Fachwerkhotel Eisenbart aus Hann. Münden bekam den mit 1000 Euro dotierten 3. Preis. Die Stemmer Vermietungs- und Verwaltungs gbR habe mit ihrem Fachwerkprojekt das Altstadtareal Hann. Mündens an der historischen Werrabrücke nachhaltig aufgewertet, so Prof. Gerner.  
Die Zusammenfassung von fünf kleinstrukturierten Häusern für eine Nutzung als Hotel sei einmalig und beispielhaft für die Dreiflüssestadt. In der Langen Straße 6, 8 10 und der Speckstraße 3 und 5 wurden drei Häuser grundlegend saniert und zwei ''angedockt''. Die Gliederung der fünf Einzelgebäude nach außen wurde deutlich beibehalten. Die Gebäudesubstanz war vor Beginn der Sanierung so schlecht, dass die Standsicherheit einiger Teile in Frage gestellt war. Besonders gut gelöst wurde von Architekt Constantin Lechner die neue  Erschließung über einen Laubengang und einen Aufzug auf der Rückseite, sodass der Eingriff in die historische Substanz gering blieb, so Gerner. ''Für den außerordentlichen Mut, in großem Maße in die Altstadt Hann. Münden zu investieren, fünf Häuser zusammenzufassen und zu einem Hotel umzunutzen hat die Jury der Stemmer Vermietungs- und Verwaltungs gbR, insbesondere Fred Stemmer, den Fachwerkpreis zuerkannt'', sagte Gerner.
Eine ganze Delegation aus Zimmermeister, Hotelier, Stadtführer und Eigentümer aus Hann. Münden war angereist, um den Preis in Empfang zu nehmen. Mit dabei auch Denkmalpfleger Burkhard Klapp und Bauamtsleiterin Nicole Prediger. (dw)


Sonderpreise für Hotel Zum Löwen und Tabalugahaus in Duderstadt

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 Sonderpreis fürs Hotel Zum Löwen
Sonderpreis fürs Hotel Zum Löwen
 Sonderpreis fürs Tabalugahaus
Sonderpreis fürs Tabalugahaus

Zwei Sonderpreise bekamen die Projekte ''Hotel zum Löwen'' und das ''Tabalugahaus'' in Duderstadt. Zur Preisverleihung reisten Bernhard Kleinhenz (2. v. l.), Leiter der Planungs- und Projektabteilung der Otto Bock Holding GmbH & Co. KG sowie der renommierte Fachwerkspezialist und Architekt Michael Schmutzer (1. v. l.) aus Duderstadt an. Gemeinsam mit Bürgermeister Wolfgang Nolte nahmen sie die Preise für die beiden Objekte entgegen. Bürgermeister Nolte bedankte sich bei dem Ehrenbürger Näder für sein unermüdliches Engagement in Duderstadt. ''Mit der Sanierung dieser Häuser hat er nicht nur der Stadt zwei schöne Objekte gerettet, er hat die Stadt auch weiter belebt'', so Nolte.
In der Laudatio von Prof. Gerner wurden beide Häuser als ''erstklassig saniert'' beschrieben. Zudem seinen im Hotel Zum Löwen die Nachbarfachwerkbauten und eine Scheune mit größter Sensibilität unter Erhaltung von viel Originalsubstanz gut in ''Szene gesetzt'' worden.
Das Tabalugahaus, eines der bedeutendsten Fachwerkhäuser Duderstadts, sei mit der Nutzung durch die Peter-Maffay-Stiftung als ''Schutzraum für traumatisierte Kinder'' mit sozialem Engagement gekrönt worden. Das Gebäude aus dem Jahr 1620 wurde gemeinsam mit dem gründerzeitlichen Nachbarhaus aus dem Jahre 1908 saniert, dabei in seine ursprüngliche Gebäudestruktur zurückgeführt worden. ''Die beiden Maßnahmen sind ein Meilenstein in der Entwicklung Duderstadts und waren nicht in eine Rangordnung mit den Preisen 1 bis 3 zu bringen'', so Gerner, deshalb habe die Jury ihnen zwei Sonderpreise des Deutschen Fachwerkpreises zuerkannt. (dw)
 

Zwei Auszeichnungen für Blaubeuren

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 Anerkennung fürs Kleine Große Haus
Anerkennung fürs Kleine Große Haus
 Anerkennung fürs Spital
Anerkennung fürs Spital

Das Kleine Großes Haus in der Webergasse 11, saniert von der Stiftung Kulturdenkmal Kleines Großes Haus Blaubeuren, bekam eine Auszeichnung für ''die außergewöhnliche Sanierung eines außergewöhnlichen Denkmals'', wie Prof. Gerner, Präsident der ADF betonte. Blaubeuren am Blautopf sei eine ausgezeichnete Fachwerkstadt mit viel originaler Fachwerksubstanz aus dem 15. und 16. Jahrhundert im Stadtkern. Das Kleine Große Haus stelle mit seinen originalen Bauteilen aus dem 15. Jahrhundert an sich schon einen außerordentlichen Schatz dar. Er nannte vor allem die originale Fachwerkkonstruktion, Bohlenwände, Farbigkeit, Blendwände und den Lehmverstrich auf Keilen. Das historische Haus für das 21. Jahrhundert zu ertüchtigen, ein Sanierungs- und Nutzungskonzept zu entwickeln, um die mittelalterlichen Schätze für zukünftige Generationen zu erhalten, sei hervorragend gelungen. Architekt Markus Gebhardt habe dieses Kunststück in höchster Qualität mit viel Einfallsreichtum erreicht. Er habe ein außerordentliches Kulturdenkmal mit originaler Bausubstanz außerordentlich restauriert, so Gerner. Nach guter restauratorischer Untersuchung von Joachim Faitsch sei das Konzept, das auch in der Nutzungsänderung die Weichen für das Kulturdenkmal Kleines Großes Haus in Blaubeuren gestellt habe.

Eine zweite Auszeichnung bekam die Stadt Blaubeuren für das Urgeschichtliche Museum, ehemaliges Heilig-Geist-Spital, am Kirchplatz 10. Über 600 Jahre hinweg habe das Spital mit nur geringen Umbauten als Krankenhaus, dann als Alten- und Pflegeheim gedient und dadurch annährend so viel an originaler Substanz erhalten, wie das Kleine Große Haus. Auch hier mit im Team sind Joachim Faitsch und Markus Gebhardt, die für das Sanierungskonzept und die behutsame Sanierung gesorgt hätten. Die Vorbereitung für die Umnutzung zum ''Urgeschichtlichen Museum'' mit Museumsshop und Tourist Info seien denkmalpflegerisch sensibel verlaufen. Mit der Sanierung wurden zahlreiche historische Details wie gewölbte Bohlenbalkendecken, die Kapelle und eine originale Bohlenstube wie der historische Pfettendachstuhl erhalten worden, so Prof. Gerner in seiner Laudatio. Für die Stiftung Kleines Großes Haus nahmen Dieter Gassebner vom Vorstand der Stiftung und Architekt Markus Gebhardt die Auszeichnung entgegen. Bürgermeister Jörg Seibold erhielt gemeinsam mit Markus Gebhardt die Urkunde für die besonders vorbildliche und beispielhafte Sanierung des Spitals. Die Blaubeurer Vertreter freuten sich über diese bedeutende Auszeichnung. ''Diese Auszeichnungen zeigen, wie gut die beiden Sanierungen gelungen sind. Sie sind Ausdruck herausragender Gemeinschaftsleistungen'', bedankte sich der Bürgermeister bei seinem Gemeinderat, den verantwortlichen Mitarbeitern vor allem im Stadtbauamt, dem federführenden Architekten Gebhardt und den ausführenden Baufirmen. Dieter Gassebener hob die bürgerschaftliche Leistung der Stiftung ''Kleines Großes Haus'' hervor und bedankte sich bei allen, die dieses bedeutende Projekt unterstützt haben. (dw)

Anerkennung für Gaylingschen Hof

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 Anerkennung für Babenhausen
Anerkennung für Babenhausen.

Der Vorsitzende der Stiftung Amtsgasse 32, Dieter Aumann, erhielt im Beisein des Babenhäuser Bürgermeisters Joachim Knocke (1. v. l.) und des Vorsitzenden des Heimat- und Geschichtsvereins Babenhausen e. V., Georg Wittenberger (2. v. l.), einen Anerkennungspreis für die Sanierung des Gaylingscher Hofes in der Amtsgasse 32. ''Dieser Preis wird für die vorbildliche Sanierung einer ungünstig genutzten und weit heruntergekommenen Bausubstanz verliehen'', sagte Prof. Manfred Gerner in seiner Laudatio. Babenhausen verfüge über ein großes, noch weitgehend geschlossenes Fachwerkensemble. In einem historischen Areal mit viel Bauunterhaltungsrückstand liegt der ausgezeichnete Hof in Amtsgasse 32. Er weise in seinen steinernen Untergeschossen, im Fachwerkobergeschoss und dem Giebel qualitätsvolle Renaissancemerkmale auf, so Prof. Gerner. Nach Jahrelangem Leerstand wurde der Hof 2010 durch die ''Stiftung Amtsgasse 32'' erworben und nach der Sanierung Platz für ein Territorialmuseum und Räume für den Heimat- und Geschichtsverein Babenhausen geschaffen. ''Dabei wurden in einer außergewöhnlich guten handwerklichen Arbeit, insbesondere von Zimmerleuten, Tischlern, Putzern und Malern alle denkmalpflegerischen Zielvorstellungen erfüllt und das Gebäude hat jetzt einen Vorbildcharakter'', so Gerner. (dw)


Anerkennung nach Ebersbach-Neugersdorf und Nehren

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 Anerkennung für Grünsteinhof in Ebersbach-Neugersdorf
Anerkennung für Grünsteinhof in Ebersbach-Neugersdorf
 Anerkennung für Wohnhaussanierung in Nehren
Anerkennung für Wohnhaussanierung in Nehren

Eine Anerkennung ging nach Ebersbach-Neugersdorf: Der Grünsteinhof von Stefanie und Thomas Kipke, Oberer Kirchweg 25, erbaut 1729 mit einem bedeutenden fünfjochigen Faktorenhaus, ein sogenannten ''versteinerten Umgebinde'', wurde ausgezeichnet. Seit 1984 stand es leer, bei der Sanierung zählten der Erhalt von Originalsubstanz und die Wiederverwendung gebrauchter Baustoffe zu den wichtigsten Zielen der neuen Eigentümer. Weitergehend sei die Nutzung des früheren Stallteils mit vier Wohnungen der Garant für die Zukunft des Hauses als Ferienanlage. ''Mit großer Sensibilität für das historische Bauwerk und mit großem Engagement für den Hof und Ebersbach-Neugersdorf wurde die Sanierung durchgeführt'', so Prof. Gerner. 

Auch Annette und Uwe Dieter erhielten einen Anerkennungspreis.Für die Umnutzung einer denkmalgeschützten Scheune als Wohnhaus in der Kirchstraße 5. Die Preisträge hätten ein außerordentliches Beispiel für die Umnutzung eines landwirtschaftlichen Nebengebäudes geschaffen. ''Das Problem vieler Städte und Gemeinden mit Fachwerksubstanz in dörflichen Strukturen sind die Nebengebäude wie Scheunen und Ställe'', so Gerner. Die Sanierung und der Umbau der ehemaligen Scheune zum Wohnhaus sei auf höchstem Wohnstandard, hohen Energieeinsparungsstandard und einer guten Einpassung in das Stadtbild geachtet worden. ''Annette und Uwe Dieter haben ein Denkmal gerettet, aber auch einen bedeutenden Beitrag zur Stadtgestaltung geleistet'', so Prof. Manfred Gerner in seiner Laudatio. Nehren habe als Mitglied der ADF und Deutschen Fachwerkstraße für die Pflege seiner historischen Bausubstanz bereits hohe Auszeichnungen erhalten. (dw)

Anerkennung für Baumann'sches Haus

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Für die Sanierung der Fachwerkwohn- und Geschäftshäuser in der Brettener Str. 2/2a in Eppingen wurden dem Eigentümer, Gebert & Mack GmbH aus Heilbronn, ein Anerkennungspreis zuerkannt. Eppingen habe mit dem vielfach hervorgehobenen Baumann'schen Haus aus dem Jahre 1582/83, der ''Alten Universität'' und seinem Fachwerklehrpfad bereits für viele Fachwerklorbeeren gesorgt, so Prof. Gerner. Die beiden stattlichen Fachwerkhäuser, früher als ''Alte Post'' und ''Gasthof Ochsen'' mit Bauteilen von 1515 bis 1756 bekannt und das Nachbarhaus Brettener Str. 2a aus dem Jahre 1717 wurden saniert und würden jetzt dem Mittelpunkt der Stadt wieder gerecht.
Die Gebäude wurden in ihre historischen Strukturen zurückgebaut. Dabei wurden zahlreiche historische Details wie die Durchfahrt, die Blockstufentreppe im Dachgeschoss, der gesamte Dachstuhl handwerklich und den denkmalpflegerischen Zielen entsprechend saniert sowie historische Fassungsdetails konserviert. Das neue Treppenhaus wurde geschickt zwischen den beiden Gebäuden auf der Rückseite angeordnet und dadurch die Originalsubstanz der Einzelgebäude geschont. Ladenlokale, Schaufenster und Eingangszone sind ohne Störung der historischen Strukturen gut gelöst. ''Für die qualitätsvolle Sanierung von zwei Fachwerkgebäuden im Mittelpunkt Eppingens zeichnet die Jury das Unternehmen Gebert & Mack GmbH mit einer Anerkennung im Deutschen Fachwerkpreis 2015 aus'', so Präsident Gerner. (dw)